Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm? Nature – Nurture – oder was?


Ein Blick auf meine drei Mädels und ich komme unweigerlich ins Schwärmen. Jede von ihnen ist auf ihre einzigartige Weise ein wunderbarer Mensch. Die Große ist unglaublich empathisch und hat mit ihrer sozialen Adern für andere stets ein offenes Ohr und eine Schulter zum Ausweinen. Die Mittlere ist unfassbar zielstrebig. Sie weiß genau was sie will und wie sie dort hinkommt. Sie verblüfft mich immer wieder mit ihrer Selbstständigkeit. Und auch die Kleine hat schon so unverkennbare Charakterzüge. Sie wird wohl der Komiker der Familie. Denn schon jetzt bringt sie uns alle mit ihren Grimassen und ihren Kuckuck-Spielen zum Lachen.


Manchmal komme ich ins Grübeln? Woher kommen diese Seiten? Haben unsere Mäuse diese Eigenheiten von mir oder meinem Mann geerbt? Haben sich möglicherweise sogar die Großeltern durchgesetzt? Oder ist es doch eher anerzogen? Sind die Eigenheiten unserer Kinder nur ein Produkt unserer Erziehung? Die gute, alte Nature-Nurture-Debatte eben. Oder ist es vielleicht doch alles nur Zufall?


Das Gespür für ihre Mitmenschen hat meine Erstgeboren schon früh gezeigt. Sie konnte schnell Gefühle erkennen und sich in die Denkweisen anderer Personen hineinversetzen. Durch dieses Verständnis konnte sich meist problemlos auf ihr Umfeld einstellen und war häufig als erster zur Stelle, wenn mal einen Freund etwas bedrückte.


Doch woher kommt dieses Einfühlungsvermögen? Den Wunsch anderen zu helfen kenne ich selbst sehr gut. Sonst hätte ich mir auch einen anderen Beruf gesucht. Denn ich bin überzeugt, dass man als Psychologe nur erfolgreich arbeiten kann, wenn man ein ehrliches Interesse an seinen Klienten hat. So habe auch ich mich früh dafür interessiert, was in den Köpfen meiner Mitmenschen vor sich geht und krempel auch noch heute die Ärmel hoch, wenn ich gebraucht werde. Hat meine Große ihre Hilfsbereitschaft also von mir? Liegt es in ihren Genen?


Aber ihre soziale Kompetenz geht weit darüber hinaus. Egal ob sie auf eine Party eingeladen ist, auf der sie außer dem Gastgeber keinen kennt oder einen Workshop mit lauter unbekannten Leuten besucht – sie findet jedes Mal sofort Anschluss. Meist bekomme ich danach von meiner Großen den Auftrag mit den Eltern eines dieser Kinder Nummern auszutauschen, um ein Treffen zu vereinbaren. Auch wenn ich ein großes Netzwerk aus Freunden und Bekannten besitze, so würde ich diese Fähigkeit wohl eher meinem Mann zuschreiben. Kommt da also der Papa durch?


Aber was ist mit unserer Erziehung? Haben die vielen Baby-Kurse und Playdates mit anderen Kindern eine Auswirkung auf ihr Sozialverhalten. Haben diese ersten Erfahrungen ihr gezeigt, wie sie am erfolgreichsten kommuniziert? Konnte sie dort lernen, wie man in einer Gruppe einen gesicherten Platz bekommt? Möglicherweise findet unser Kind leicht Freunde, weil die Werte und Normen, die wir Eltern vertreten, sie sozial verträglich und anpassungsfähig werden ließen. Können wir Eltern durch unser Verhalten die Natur austricksen und mittels Vorbildwirkung und Erziehung unsere Kinder beliebig formen?


Oder ist es schlichtweg Glück oder Zufall, zu welchem Menschen wir uns entwickeln? Was macht das Ich aus? Wann und wie entsteht es?


Die Wahrheit wird wohl irgendwo in der Mitte liegen. Gerade in meiner Großen erkenne ich viel von mir. Über einige dieser Wesenszüge bin ich sehr glücklich, andere machen mir auch mal Sorgen. Ich bin auch überzeugt, dass die Liebe und Unterstützung die unsere Kinder erfahren haben und weiterhin erfahren werden, sie prägen und Einfluss auf ihre Entwicklung haben. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, da ist noch was anderes. Was ganz eigenes… das meine drei Mädels, wie alle anderen Kinder auch, zu wunderbaren und einzigarten Wesen macht.


Nature – Nurture – oder so ähnlich 😉

4 Antworten auf „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm? Nature – Nurture – oder was?

  1. Eine gute Frage. Ich hab mal von einer Psychologin das Attestat bekommen „wie sind Sie nur so positiv geworden angesichts Ihres Elternhauses?“ Einerseits hat mich das gefreut, weil das frühzeitige selbst hinterfragen offenbar dazu geführt hat so wenig wie möglich von meinen Eltern mitzunehmen….andererseits war es ein anstrengender Weg, bei dem diese Psychologin mir jedenfalls nicht helfen konnte.
    Mit Ü50 kann ich endlich Wesenszüge, die ich (und wohl jeder) unweigerlich von seinen Eltern hat, zulassen. Und darüber auch erkennen, dass nicht alles schlecht war und akzeptieren etwas von Ihnen in meinem Wesen zu haben.
    Insofern glaube ich an eine Mischung von Glück (wenn man liebe Eltern hat) und Zufall (wenn man es schafft sich zu distanzieren / alleine zu entwickeln). Alles hat jedenfalls mit dem Umfeld zu tun.
    LG Nicole

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    1. Liebe Nicole, da gebe ich dir vollkommen Recht! Das Umfeld ist auf jeden Fall entscheidend. Deshalb ist sind mein Mann und ich auch bemüht, alles zu tun, damit unsere Mädels zu selbstbewussten und starken Frauen werden können. Aber spannend ist halt auch, wo man mit der Erziehung an die biologischen Grenzen stößt. Und ich denke das jeder Mensch auch etwas eigenes mitbringt, das eben nicht durch Erziehung oder Gene erklärbar ist.
      Ganz liebe Grüße

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  2. Alles spielt zusammen.
    Ich hatte sozusagen keine Eltern, sie sind früh verstorben.
    Und dennoch erkenne ich ganz klar Wesenszüge von ihnen in mir.
    Aus spärlichen Erinnerungen und Erzählungen zusammen gesucht.
    Von einer meiner Großmütter habe ich ein Tagebuch und bin überrascht,
    welche Vorlieben wir teilen.
    Und dann kommt die Erziehung hinzu und die Persönlichkeit der Erzieher,
    die ich hatte.
    Alles zusammen, die Gene unserer Vorfahren seit Anbeginn und die Umwelt
    formt uns.
    UND liebevolle Eltern !!!!!!!!!!!!

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    1. Es tut mir sehr leid, dass du deine Eltern so früh verloren hast. Ich finde es aber schön, dass deine Oma das Tagebuch aufbewahrt hat und du so noch Gelegenheit hattest, mehr zu erfahren. Habe auch schon überlegt, so ein Erinnerungsbuch für meine Mädels anzulegen. Bisher bin ich aber noch nicht dazu gekommen.

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