Kärnten im Ausnahmezustand – Die Masern und die Impfpflicht

Masern sind bei uns momentan ein großes Thema, nachdem bekannt wurde, dass ein Busfahrer des städtischen Busunternehmens an diesen erkrankt ist. Da nicht abzuschätzen war, wie viele Menschen sich angesteckt hatten beziehungsweise um neue Ansteckungen zu vermeiden, wurde der Fahrbetrieb erst mal eingestellt, bis klar war, welche Fahrer geschützt sind. Am Tag darauf musste eine Schule schließen, da es auch hier zu Masernfällen gekommen war. Seitdem ist der Ansturm beim Gesundheitsamt, wo man sich gratis impfen lassen kann, groß. Gleichzeitig wird der Ruf nach einer Impfpflicht wieder laut.

Meine Große ist vor wenigen Monaten 11 Jahre alt geworden. Mindestens genauso lange wird überlegt, ob eine Impfpflicht nicht die beste Lösung wäre. Zuerst hörte man nur vereinzelt davon, mittlerweile ist der Diskurs um eine gesetzliche Regelung aber in aller Munde. So wird auf allen medialen Kanälen darüber berichtet, in Diskussionsforen wird sich – nicht immer im freundlichen Ton – darüber ausgetauscht, im Freundes- und Familienkreis werden die verschiedenen Standpunkte vertreten. Ganz ehrlich – mir steht die Diskussion schon zu den Ohren raus. Und was mich am Meisten daran nervt, ist die Art und Weise wie mit diesem Thema umgegangen wird.

 

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Aber fangen wir am Anfang an. Als ich mit meinem ersten Kind schwanger wurde, kamen auf meinen Mann und mich viele Frage zu. Eine davon war unsere Entscheidung hinsichtlich diverser Impfungen. Noch nie zuvor musste ich solche Entscheidungen treffen. Als Mutter (oder auch Vater) ist man natürlich bestrebt die bestmögliche Wahl zu treffen – schließlich liebt man sein Kind und will für dieses nur das Beste. Also begannen wir Informationen einzuholen. Welche Impfungen gibt es? Was ist das für ein Impfstoff? Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Das Ergebnis dieser Recherche war ernüchternd. Impfen kann man mittlerweile so ziemlich alles – aber die Folgen sind für Laien nur schwer einschätzbar. Kein Wunder – denn die einen Experten warnen vor Impfungen, während die anderen regelrecht dazu drängen. Das Einzige worin sie d´accord gehen, ist die Annahme, dass jeder mit seiner eigenen Meinung vollkommen richtig liegt und die anderen Idioten sind.

Wie konnten wir trotz dieser Informationsflut, die sich inhaltlich massiv widerspricht, eine Entscheidung treffen? Zunächst haben wir mit unserer Kinderärztin gesprochen. Sie hat sich Zeit genommen, um mit uns über die einzelnen Impfungen zu sprechen. Neben dem Beipackzettel-Gelaber, hat sie uns aber auch von ihren persönlichen Erfahrungen durch ihre Arbeit erzählt. Wir haben gemerkt, dass ihr die Patienten wirklich am Herzen liegen und sie diese bestmöglich behandeln will. Gleichzeitig hat sie uns aber auch nie Druck gemacht ihre Empfehlung genauso umzusetzen. Wir haben dann zum Impfen tendiert, haben uns zuvor aber nochmal mit meinem Onkel unterhalten. Er ist selber Arzt und hat zwei Töchter, die nur wenige Jahre älter als meine Mädels sind. Nachdem er uns erzählte, dass er mit unserer Kinderärztin einer Meinung sei und meine kleinen Cousinen ebenfalls alle herkömmlichen Impfungen erhalten haben, sahen wir uns in unserer Entscheidung bestätigt.

Meine Kinder bekamen in der Folge alle Impfungen, die unsere Kinderärztin empfielt. Diese haben meine Süßen bisher auch fast immer sehr gut vertragen. Unsere Große hatte einen kleinen Schwächenanfall nach einer MMR-Impfungen, hat sich davon aber schnell wieder erholt. Ansonst gabe es in unserer Familie bisher keine Nebenwirkungen. Damit könnte ich das Thema für mich eigentlich abhacken. Schließlich sind meine Mädels geschützt. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht …

Mein Vater ist vor einigen Jahren an Krebs erkrankt. Während seiner Chemo und Strahlentherapie hätte jeder Infekt gravierende Folgen haben können. Zum Glück ist er erwachsen und geimpft. Das Kind einer Bekannten, das bereits als Baby eine Krebsbehandlung durchstehen musst, hatte aufgrund seines Alters die wenigsten Impfungen. Hier hätten gewöhnliche Kinderkrankheiten schnell tödlich enden können. Die Tochter einer lieben Freundin bekam als Kleinkind ein Organ transplantiert und muss seitdem Immunsuppressiva einnehmen, um eine Abstossreaktion zu verhindern. Auch hier konnten aufgrund des frühen Alters viele Impfungen nicht beziehungsweise nicht vollständig durchgeführt werden. Als letzes Jahr im Kindergarten die Schafblattern kursierten, konnte ihr großer Bruder diesen mehrere Monate nicht besuchen. Obwohl dieser immun dagegen ist, wäre das Risiko einer Übertragung zu groß gewesen. Und auch jetzt zeichnet sich ab, dass sich die Familie lange Zeit zuhause verschanzen wird, um das Ansteckungsrisiko zu senken.

Eine Impfpflicht könnte dafür natürlich eine einfache Lösung sein. Aber ehrlich gesagt, möchte ich mir nicht von Politikern sagen lassen, was das Beste für meine Kinder ist. Ich bezweifel stark, dass sich meine und deren Interessen decken. Da wäre meine Angst zu groß, in welche Richtung sich eine solche Gesetzesänderung entwickeln könnte.

Bleibt also doch nur der Diskurs mit den Eltern. Das Problem liegt nur darin, wie dieser geführt wird. Vor einigen Wochen sah ich im Fernsehen eine Diskussionsrunde zu diesem Thema. Dort waren verschiedene Experten vertreten, die sich entweder für oder gegen Impfen aussprachen. Dazu kam auch ein besorgter Vater, der aus Unsicherheit seine Kinder nicht impfen ließ. Nun wäre dies eigentlich ein guter Rahmen gewesen, um auf die Sorgen und Befürchtungen dieses Mannes einzugehen und sie kompetent zu widerlegen. Stattdessen wurde dieser belächelt und verspottet, auf seine Fragen wurde ringsum gelacht. Mit Ausnahme der Ärzte und Wissenschaftler, die sich gegen Impfen aussprachen. Die waren natürlich zu Stelle, um die Unsicherheit weiter zu verstärken.

Auch die Beiträge, die ich in Zeitschriften und Onlineportalen gelesen hatte, waren oft sehr einseitig geschrieben oder behandelten das Thema nur oberflächlich. Immer wieder werden die Eltern, die eine andere Meinung vertreten, verunglimpflicht und ihnen werden unschöne Eigenschaften zugeschrieben. Aber nur, weil jemand eine andere Sichtweise hat, bedeutet es nicht, dass derjenige als asozial bezeichnet werden darf oder deshalb eine schlechte Mutter/ein schlechter Vater ist.

Wichtig wäre es offen in das Gespräch zu gehen, die Sorgen und Befürchtungen des anderen ernst zu nehmen und die verschiedenen Möglichkeiten fachlich zu besprechen. Außerdem wäre ein ehrlicher Umgang mit den Risiken und Nebenwirkungen der beiden Möglichkeiten, damit die unterschiedlichen Fraktionen keine Horrorgeschichten auspacken mehr können, um die Angst zu schüren. Darüber hinaus sollten Ärzte keinen Druck auf Eltern ausüben; dadurch wird die Unsicherheit nur weiter wachsen. Denn durch den Zwang entsteht wieder Angst, die zu absurden Verschwörungstheorien führen kann. Deshalb sollte am Ende jeder selbst entscheiden dürfen. Und diese Entscheidung sollte respektiert werden.

Schlussendlich wollen wir alle nur das Beste für unsere Kinder. Für uns war das Risiko einer Imfpung deutlich geringer als das Risiko einer Erkrankung. Deshalb haben wir uns dafür entschieden. Mit einer offeneren Herangehensweise und besserer Aufklärung würden sich sicherlich nicht alle Eltern dafür entscheiden ihre Kinder zu impfen. Aber die Impfrate würde vielleicht wieder so hoch ansteigen, dass ein Herdenschutz entsteht.

2 Antworten auf „Kärnten im Ausnahmezustand – Die Masern und die Impfpflicht

  1. Hallo, auch bei uns in Deutschland ist das Thema Masern derzeit wieder ein Thema und einige Kindergärten nehmen nur noch Kinder auf, die geimpft sind. Ich habe meine Kinder damals beide impfen lassen und auch ich selbst habe die Impfungen. Meine Große z.B. ist damals vor ca. 13 Jahren an Windpocken erkrankt und das war echt kein Spaß. Zu der Zeit stand die Windpocken Impfung noch nicht auf dem Plan. Meine Kleine wurde dann dagegen geimpft.
    Liebe Grüße
    Anja von Castlemaker.de

    Gefällt 2 Personen

    1. Ja, Windpocken sind echt mühsam. Meine beiden hatten sie direkt hinter einander. Damals waren wir ein ganzes Monat lang bei schönstem Wetter zuhause eingesperrt. Zum Glück gingen meine Mädels da noch nicht in die Schule. Sonst hätten wir echt viel nacharbeiten müssen.
      LIebe Grüße

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