Die Mutter und ihre Ängste

Immer wieder hört und liest man von ihnen – die sogenannten „Helikopter-Eltern“. Hört man diesen Begriff, hat man unweigerlich ein Bild vor Augen – eine überfürsorgliche Person (meist wahrscheinlich weiblichen Geschlechts), die jeden Schritt ihrer Kinder genauestens überwacht und einfach nicht loslassen kann – im Bestreben schnellstmöglich Hilfestellung geben zu können, unfähig die Kontrolle abzugeben. Wenn wir an solche Menschen denken, sind wir vielleicht amüsiert oder auch genervt. Dabei braucht es gar nicht viel, um so zu werden. Ich will ehrlich sein; auch ich mutiere regelmäßig zur Helikopter-Mama. Woran das liegt? Ganz einfach: Ich habe Angst.

 

Komisch eigentlich, denn bis zu meiner ersten Schwangerschaft kannte ich dieses Gefühl kaum. Ohne Bedenken stürzte ich mich in jedes Abenteuer und war der festen Überzeugung nichts und niemand könnte mir etwas anhaben. Und wenn mir dann doch einmal mulmig wurde, stellte ich mich ganz bewusst meiner Angst, um diese auf diesem Wege zu überwinden. Doch mit meiner ersten Schwangerschaft änderte sich das schlagartig. Plötzlich musste nicht nur ich, sondern auch mein Kind die Konsequenzen für mein Handeln tragen. Und diese Verantwortung empfand ich anfangs als sehr beängstigend. Heute bin ich, glaube ich, eine sehr entspannte und gelassene Mutter und lasse mich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Aber es gibt da zwei alltägliche – und für die meisten Menschen vollkommen harmlose – Situationen, in welchen mich meine Angst noch immer Griff hat und mich zur Heli-Mom macht.

 

Die eine Situation betrifft die Zahnhygiene meiner Kinder. Ganz schön lächerlich, oder? Aber für mich fühlt sich dies durchaus bedrohlich an. Schließlich drehte sich die einzige Angst meiner Kindheit um die unvermeidbaren Zahnarztbesuche. Auch jetzt noch verkrampft sich mein Magen, wenn ich die Ordination meiner Ärztin betrete. Durch das penible Putzen der Zähne meiner Kinder hoffte ich ihnen diese Angst zu ersparen. Aber trotz sorgfältiger Zahnpflege und gesunder Ernährung blieben meine Mädels nicht von Plomben verschont. Da sie also trotz bester Intention meinerseits Bekanntschaft mit Bohrer und Co schließen mussten, bemühe ich mich mittlerweile meinen Kontrollzwang ein wenig abzulegen. Ich putze ihnen also nicht mehr die Zähne nach, sondern versuche darauf zu vertrauen, dass meine Mädels dies nach meiner Aufforderung gewissenhaft erledigen. Aber meine innerliche Anspannung bleibt natürlich bei jeder ihrer Zahnarzttermine bestehen.

 

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Die zweite Situation betrifft den Straßenverkehr. Noch immer gebe ich meinen Süßen die Hand, wenn wir die Straße überqueren und begleite sie auf all ihren Wegen. Während andere Schulfreundinnen alleine mit dem Bus oder Fahrrad unterwegs sind, spiele ich für meine Kids das Taxi. Selbst bin ich auch schon früh alleine unterwegs gewesen und hatte dabei niemals ein schlechtes Gefühl. Das war für mich vollkommen normal. Allerdings habe ich in meiner Jugend eine Freundin verloren, als diese am Schulweg überfahren wurde. Auch 20 Jahre später muss ich noch oft an sie denken. Niemals werde ich vergessen, was dieser Verlust für ihre Eltern bedeutete. Die Angst, die mit dieser Erfahrung verbunden ist, sitzt so unglaublich tief und wird mich wohl nie verlassen. Trotzdem weiß ich natürlich, dass ich meinen Kindern zugestehen muss, sich ohne Aufsicht im Straßenverkehr zu bewegen. Schließlich sollen sie zu kompetenten Erwachsenen heranwachsen, die selbstbewusst ihren Alltag bewältigen können. Zum Glück sind wir letzten Sommer aufs Land gezogen. Hier kann ich alles ein bisschen entspannter sehen und so dürfen sich meine Mädels zumindest zuhause frei bewegen.

 

Wie sieht es bei euch aus? Welche Ängste habt ihr in Bezug auf eure Kinder? Und schafft ihr es trotzdem halbwegs entspannt zu bleiben oder verwandelt ihr euch auch zeitweise in Helikopter-Eltern?

8 Antworten auf „Die Mutter und ihre Ängste

    1. Ich denke, dass du etwas ganz Wichtiges angesprochen hat. Man muss den Kinder auch was zutrauen. Ich denke, dass mir das meistens auch gelingt. Aber in den beiden beschriebenen Situationen fällt es mir leider meist schwer locker zu bleiben 😦

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  1. Also das mit den Zähnen habe ich nicht, ich achte schon darauf, dass sie gut putzen, aber ich überlasse es der Großen mittlerweile selber und sie putzt jetzt nach ein Sanduhr und macht das gut. Mit dem Straßenverkehr bin ich auch eher vorsichtig. Da habe ich auch so meine Ängste, aber ich hoffe das legt sich mit den Jahren auch. Ein bisschen loslassen muss man schon, das ist wichtig, aber meiner Meinung nach ist Vorsicht auch nicht verkehrt.

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    1. Vielen Dank für dein Kommentar! Du hast sicher Recht – die Vorsicht und das Vertrauen sollten ausgewogen sein. Ich denke auch, dass meine Große wirklich gut im Straßenverkehr aufpasst. Bedenken habe ich nur in Bezug auf die teilweise erschreckend rücksichtslosen Autofahrer.

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  2. Oh die Ängste (wenn auch nicht umbedingt genau diese) kenn ich auch zu gut, seit ich Mama bin… ich darf nicht dran denken, was alles passieren könnte. Aber ich glaube fest, dass wir unseren Kindern mit unserer Übervorsicht nicht helfen. Die Kinder spüren unsere Sicherheiten und Unsicherheiten und Handeln selbst danach. Nichts kann sie also mehr schützen, wenn wir ihnen, bei aller gebotenen Vorsicht, Zuversicht und Mut vermitteln, um der Welt da draußen gegenübertreten zu können. Auch wenns manchmal unglaublich schwer ist 🙂

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    1. Ich gebe dir vollkommen recht! Aus diesem Grund habe ich auch ein schlechtes Gewissen. Schließlich möchte ich meine Kinder nicht zu ängstlichen Menschen erziehen. Deshalb versuche ich lockerer zu werden. Ich denke, dass mir das nach außen meist auch ganz gut gelingt. Aber innerlich bin ich trotzdem oft angespannt.

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