Krebs – Was sagen wir den Kindern?

Vor ein paar Tagen berichtete mir meine Große, dass ihre Klasse im Religionsunterricht einen sehr traurigen Film gesehen hatte. Darin ging es um ein junges Mädchen, welches an Krebs erkrankt war. Am Ende ist das kranke Kind seiner schweren Erkrankung erlegen. Einige Schüler – auch meine Süße – waren sehr berührt von dem tragischen Ausgang. Manche haben auch geweint, zum Teil auch wegen ihrer eigenen Familiengeschichte. Aufgrund der emotionalen Reaktionen der Kinder wurde der Film in der nächsten Religionsstunde noch einmal nachbesprochen. Damit aber noch genug: Auch die Klassenlehrerin, sowie die Direktorin der Volksschule, meldeten sich zu Wort. Laut meiner Tochter, sprachen sich diese energisch gegen den Einsatz dieses Filmes im Unterricht aus. Obwohl die Altersempfehlung von der Religionslehrerin berücksichtigt wurde, waren sie der Meinung, dass dieser erst in höheren Schulen gezeigt werden sollte.

Ich habe den besagten Film selbst nicht gesehen und kann folglich auch nicht einschätzen, ob der Film für einen schulischen Einsatz geeignet ist. Grundsätzlich vertraue ich aber darauf, dass bei Berücksichtigung der Altersempfehlung das Thema entsprechend aufbereitet ist und somit auch im Unterricht zum Einsatz kommen kann. Natürlich verstehe ich, dass eine Krankheit wie Krebs, die bei Betroffenen und deren Familien oft zu massiven Ängsten führt,  ein heikles Thema ist. Erst vor zwei Jahren war ich in der Situation – ein Mitglied meiner Familie bekam die Diagnose Krebs gestellt. Als ich davon erfuhr, war ich am Boden zerstört. Nachdem ich mich wieder einigermaßen gefangen hatte, stellte auch ich mir die Frage, wie ich damit umgehen sollte. Ganz besonders in Bezug auf meine Mädels. Sollte ich offen damit umgehen oder sollte ich ihnen die Auseinandersetzung mit dieser Krankheit so weit wie möglich ersparen?

Der Vorfall in der Schule hat mich unweigerlich an mein damaliges Dilemma erinnert. Krebs wird nach wie vor – trotz oft guter Behandlungsmöglichkeiten und Erfolgsaussichten – mit dem Tod assoziiert. In der Folge führt die Diagnose bei den Patienten und ihren Angehörigen unweigerlich zur Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit beziehungsweise der Sterblichkeit einer geliebten Person. Kein Wunder – denn wie ich leider selbst erleben musste, ist die psychologische Betreuung von Krebserkrankten leider in manchen Krankenhäusern suboptimal und auch das Einfühlungsvermögen mancher Ärzte lässt sehr zu wünschen übrig. Und so bleiben die Patienten und ihre Familien, wenn sie an den falschen Arzt kommen, sich selbst überlassen.

Wie die einzelnen Familien mit der Erkrankung umgehen – ob sie es möglichst lange für sich behalten oder sie offen darüber sprechen – ist sehr unterschiedlich. Dazwischen gibt es natürlich aber auch viele Abstufungen. Öfter habe ich erlebt, dass die Diagnose selbst der Familie, aber auch Freunden und Bekannten, mitgeteilt wird, die Einzelheiten aber unter Verschluss bleiben. Das mag vernünftig klingen, kann aber gerade für nahe Angehörige sehr belastend sein. Vor allem wenn sie merken, dass der tatsächliche Schwergrad der Erkrankung und die Darstellung des Gesundheitszustandes nicht übereinstimmen. Allerdings ist es auch verständlich, dass die Betroffenen selbst, in solch einem Ausnahmezustand vielleicht nicht in der Lage sind den richtigen Ansatz zu finden.

All dies trägt dazu bei, dass sich viele Menschen – mich eingeschlossen – unsicher bei der Auseinandersetzung mit dieser Erkrankung fühlen. Vor allem gegenüber Kindern ist das Thema oft ein Tabu, möchte man doch die Kleinen nicht mit den dunklen Seiten des Lebens konfrontieren und Ängste ihrerseits vermeiden. Aber kann das die Lösung sein?

Wie Familien mit der Diagnose umgehen, wird von Fall zu Fall unterschiedlich sein und auch vom Alter der Kinder und dem Schweregrad der Erkrankung abhängig sein. Ich denke nicht, dass es dafür eine einheitliche Lösung gibt. Wir haben das Thema für uns aber folgendermaßen gelöst: Wir haben den Mädels erzählt, dass dieser geliebte Mensch eine Krankheit namens Krebs hat und sich deshalb im Krankhaus behandeln lässt. Wir haben auch besprochen, wie wir die Person in dieser Zeit unterstützen können. Viel mehr haben mein Mann und ich von unserer Seite dazu nicht gesagt. Wir haben uns aber auch in Gegenwart der Kinder über die Krankheit und die Behandlung unterhalten und Fragen, sofern welche kamen, beantwortet. Auf diesem Weg wollten wir unseren Kindern zeigen, dass es kein Tabu ist über diese Erkrankung zu sprechen.

Rückblickend war diese Entscheidung für uns die richtige. Meine Mädels wussten über die Behandlung Bescheid, wurden aber nicht mit Einzelheiten überfordert (außer sie wurden eingefordert).  Während Chemo und Strahlentherapie haben sie natürlich die offensichtlichen Auswirkungen gesehen, waren aber trotz allem nicht ängstlich, da sie sie als normale Begleiterscheinungen gesehen haben. Es war zwar für alle eine anstrengende Zeit, aber zum Glück war die Behandlung erfolgreich. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass weiterhin so gut läuft und unser Familienmitglied irgendwann als geheilt gilt.

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