Liebe Kinder, ab jetzt wird Miete gezahlt!

Zur Zeit kursiert ein Posting von Essence Evans durch viele sozialen Medien. In diesem erklärt die Mutter, dass sie von ihrer fünfjährigen Tochter jede Woche 5 Dollar Miete verlange, welche diese von ihren 7 Dollar Taschengeld bezahlen müsse. Hintergedanke der Aktion sei es, ihrer Tochter begreiflich zu machen, dass die meisten Menschen mit dem Großteil ihres Einkommens für Rechnung aufkommen müssen und nur ein kleiner Teil ihres Lohns wirklich zur freien Verfügung steht. Was ihre Tochter aber nicht weiß: Die 5 Dollar „Miete“ werden von ihrer Mama auf einem eigenen Konto angespart, auf welches das Mädchen ab ihren 18. Geburtstag Zugang habe.

Die Resonanzen auf ihre Mitteilung scheinen durchwegs positiv auszufallen. Auch in den deutschsprachigen Foren sind die Rückmeldungen größtenteils zustimmend. Und ich frage mich, was ich von Essence Evans´ Aktion halten soll. Sollte auch ich von meinen Kindern Miete verlangen, um ihnen zu verdeutlichen, wie die finanzielle Realität für viele Menschen aussieht?

Grundsätzlich finde ich es wirklich wichtig, dass Kinder einen Bezug zu Geld bekommen und ein Verständnis von Wertigkeit erhalten. Ganz ehrlich, für meine Mädels ist Geld, zumindest in seiner digitalen Form, nach wie vor ein Mysterium. Natürlich verstehen sie das Essen, Kleidung, Spielzeug einen Wert haben und beim Einkauf bezahlt werden muss. Was ihnen jedoch noch nicht wirklich klar ist, wie das Bezahlen mit Bankomatkarte und Kreditkarte funktioniert. In ihren Vorstellungen sind diese kleinen Karten unerschöpflich. Obwohl wir immer wieder besprechen, dass genügend Geld am Konto sein muss, um etwas mit einer Karte zu bezahlen und nach dem Einkauf das Geld vom jeweiligen Konto abgebucht wird, fällt es meinen Süßen schwer, sich das genau vorzustellen. Und so sind sie weiterhin der Meinung, dass die kleinen Dinger der Schlüssel zu all ihren materiellen Wünschen sind.

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Ein erster Schritt zu mehr finanzieller Verantwortung wird für meine Kinder die Einführung des Taschengeldes sein. Bisher kommen mein Mann und ich noch für alle Kleinigkeiten auf. Mit dem Besuch der weiterführenden Schule wird es dann aber wirklich Zeit, dass unsere Große ihr eigenes Taschengeld bekommt, mit dem sie für Zeitschriften, Süßigkeiten und Co aufkommen soll. Dazu soll sie ein Jugendkonto mit eigener Karte bekommen, um zu begreifen, dass auch die kleinen Zahlen am Display der Bankomatkassen echtes Geld sind. Auf diese Weise soll sie lernen, vernünftig mit dem verfügbaren Taschengeld umzugehen und auch die Bewegungen auf ihrem Konto im Blick zu behalten.

Eine sehr nette Idee, um jüngeren Kindern den Wert einer Sache aufzuzeigen und sie gleichzeitig zum Sparen zu animieren, habe ich in einer Broschüre der Kärntner Sparkasse gefunden. Dort war ein kleiner Dinosaurier abgebildet, den die kleine Teresa gezeichnet hatte. Für jeden gesparten Euro wurde ein freier Kreis ausgemalt. Am Ende sollte so, dass benötigte Geld für den süßen Dino zusammenkommen. Gerade für kleinere Kinder ist das eine tolle Idee, da sie schnell erkenne, wie viel sie in Bezug zu dem benötigten Geld bereits angespart haben. Für größere Kinder kann aber auch ein leeres Marmeladenglas zum Sparen verwendet werden. Dieses wird mit dem jeweiligen Wunsch beschriftet und kann zusätzlich mit Glasmalstiften oder Stickern verziert werden.

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Um auf meine Ausgangsfrage zurückzukehren: Nein, wir werden auch in Zukunft keine Miete von unseren Mädels verlangen, auch wenn ich bei unseren Kindern in Punkto finanzieller Aufklärung noch Handlungsbedarf sehe. Denn ich möchte, dass unser Haus für meine Mädels ein Ort ist und bleibt, an dem sie immer willkommen sind. Hier sollen sie auch später ohne jegliche Bedingungen – auch wenn sie in diesem Fall sicherlich gut gemeint sind – leben dürfen. Schließlich ist es unser gemeinsames Zuhause. Davon abgesehen, bin ich sowieso der Meinung, dass für einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld die Vorbildwirkung der Eltern, sowohl in Hinblick auf ihr Handeln als auch auf ihre Kommunikation, ganz zentral ist. Dazu das passende Zitat: Man kann seine Kinder noch so gut erziehen, sie machen einem doch alles nach.

4 Antworten auf „Liebe Kinder, ab jetzt wird Miete gezahlt!

  1. Mir scheint die Idee mit der Miete ziemlich absurd, ehrlich gesagt. Wir haben noch keine Kinder (4 & 3) und Geld ist grundsätzlich noch kein Thema. Irgendwann werden vielleicht große Wünsche kommen, die ich nicht zahlen möchte oder auch nicht zahlen kann. Dann wird Geld ein Thema werden, aber eher als Erklärung und nicht als „Ihr müsst Miete zahlen.“
    Um es wirklich zu begreifen, hilft es ja auch nichts, Ihnen 7 € zu geben und ihnen 5€ wieder wegzunehmen. Sie müssten die 7€ verdienen – z.B. wenn Sie Nachbarn bei irgendwas helfen – und dann müsste ich Ihnen 5€ davon wegnehmen. Das finde ich allerdings extrem assi.
    Wie bei dir dürfen meine Kinder mietfrei bei mir leben und wenn sie mal Taschengeld haben, dürfen sie es für sich ausgeben.

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    1. Ich vermute, dass diese Mutter bemüht ist ihrer Tochter die finanzielle Realität vieler Familien begreiflich zur machen. Nur glaube ich, dass Kinder normalerweise im Alltag lernen, dass Rechnungen bezahlt werden müssen – zumindest wenn ihre Eltern das vorleben. Der Umgang mit Geld ist bei uns aber schon ein Thema, weil für meine Mädels leider vieles selbstverständlich ist und das versuche ich schon mit ihnen zu besprechen. Aber Miete wäre für mich auch kein Thema. Mir ist viel wichtiger, dass unser Zuhause ein sicherer Hafen für sie ist, an dem sie nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft, immer bedingungslos willkommen sind.

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  2. Ich habe noch keine Kinder, aber ich kann es mir nicht vorstellen von meinem Kind in diesem Alter Mietkosten zu verlangen auch, wenn das Geld auf das Sparkonto vom Kind kommt. In diesem Alter könnte ich mein Kind damit nicht konfrontieren. Es sollte eine sichere und sorglose Kindheit haben.

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    1. Was mich an der Aktion stört ist die Beziehungsebene. Wir leben jetzt in unserem eigenen Haus, davor waren wir aber in zwei Mietwohnungen. Mit unseren Vermietern hatten wir immer ein freundschaftliches, unkompliziertes Verhältnis. Trotzdem war es eine Austausch-Beziehung – ich gebe was, im Gegenzug bekomme ich was. Das ist vielleicht naiv, aber ich bin der Meinung, dass die Beziehung der Eltern zu ihren Kinder doch mehr von Altruismus bestimmt sein sollte – ohne gegenzurechnen – vor allem wenn es um die Geborgenheit und das Zuhause geht.

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